26 November 2006

Reisetagebuch 16.11.06 - 19.11.06

Zurück aus Iguazu und Patagonien bzw. Feuerland nutzen wir die letzten Tage unserer Reise zur weiteren Erkundung von Buenos Aires. Das geschah in kleinen Gruppen oder individuell, so dass es nicht so einfach ist, alles hier zu berichten. Deshalb hoffe ich, dass der ein oder andere unserer "Family" seine Erlebnisse noch in Form eines Kommentars hier ergänzt.

Gemeinsame Unternehmungen der letzten Tage waren zum einen der Kulturabend im "Centro Cultural Raices", wo uns ein Tangolehrerpaar unterstützt durch weitere gute Tangotänzer in die Geheimnisse des Tango einwies. Für viele von uns war einiges doch sehr ungewohnt: Sich dem Tanzpartner doch sehr intim zu nähern, ihn zu fühlen, zu riechen, die geforderte Hingabe der Frau an den Mann ... wie es unsere Tangolehrer verlangten. Aber wenn man sich darauf einlässt, waren Fortschritte im Rythmus "tiki tiki tiki tak - tiki tiki tak " doch schnell zu sehen - und zu spüren! Ein wirklich einmalige Erfahrung. Nach einem guten Essen traditioneller argentinischer Speisen spielte ein hervorragendes Gitarrenduo und zum Abschluß durften wir eine original Tangoband aus Buenos Aires genießen. Die Musiker waren alle ganz hervorragend, besonders aber hat mich die Akkordeonspielerin beeindruckt, die während der Militärdiktatur gezwungen war, nach Europa zu emigrieren und sich in Spanien teils als Strassenmusikerin durchs Leben schlagen mußte. Eine wirklich beeindruckende Frau mit ansteckend guter Laune und viel Lebensmut.

Am Samstag schließlich hieß es Abschied nehmen. Ein letztes Asado in den wunderschönen Räumen eines Vereines, der das Gedenken an Mitglieder Internationaler Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, die entweder aus Argentinien kamen oder nach Ende des Bürgerkriegs nach Argentinien emigrieren mußten, pflegt. Mit großen Wandgemälden und insbesondere persönlichen Tafeln mit Informationen zu jedem einzelnen wird das Andenken an diese mutigen Kämpfer gegen den Faschismus bewahrt. Wirklich sehr beeindruckend und unsere argentinischen Gastgeber staunten doch ein wenig, daß mit dem "Lied der 11. Brigade" einen passenden Kulturbeitrag parat hatten.

Letzte Geschenke wurden überreicht. Wir erhielten Poster und Zeitschriften aus Argentinien, unsere Reisebegleiter erhielten persönliche Geschenke wie Fotos unserer Reise oder persönliche Dinge von Reiseteilnehmern als Ausdruck, welch große Verbundenheit zwischen uns in diesen 3 Wochen entstanden war. Alle brachten die Hoffnung zum Ausdruck, daß es irgendwann wieder eine Gelegenheit gibt, sich wiederzusehen, denn das Abschied nehmen fiel manchem doch sichtlich schwer. Und schließlich wurde noch ein Gedicht vorgetragen:

Gedicht für die Abschlussfeier der Argentinienreise November 2006 am 18.11.06

28 aufgeregte und ungeduldige Hühner kamen vor drei Wochen hier an,
vollgepackt mit Wanderstiefeln, Reisebügeleisen und anderem Kram.

„Wo geht’s lang?“, „was machen wir gleich?“, „hat’s nicht noch für Jenes Zeit?“
Erst allmählich lernten – wenigstens die meisten – die argentinische Gelassenheit.

Unsere jungen Begleiter führten uns immer mit Sachverstand, Eifer und Herzlichkeit,
erklärten uns Buenos Aires, Matanza, Esperanza und hatten für jede Frage Zeit.

Verschiedene Sprachen Spanisch, Deutsch, Englisch, Schwäbisch und Sächsisch waren nicht wirklich problemas.
„Estamos todos, sesenta y dos, que tal?, serr gutt, die toten Hosen, und papas fritas »

Die Anden mit ihrer Wucht, Vielfalt, Farbenpracht und Höhe ergriffen uns alle,
in über 4.000 m Bergsteigen erwies sich für manche als Falle.

Auf Indio-Märkten gab’s die schönsten Sachen für klein und groß,
wir konnten nicht widerstehen und wurden einige Zeit und Pesos los.

Asado, lomo, empanadas, ensalada haben wir in vollen Zügen genossen
Und in Cafayate sogar mit edlem „vino de la casa“ begossen.

Manchen musste sich dann aber tagelang im Verzichten üben,
und sich mit Bananen, trockenen Keksen und Tee den Anweisungen von Willi fügen.

Wir sahen Sehenswürdigkeiten: Dschungel, Wasserfälle und Eisblöcke an,
fast waren tausende Pinguins dabei, sie entpuppten sich aber als Kormoran.

Ein Highlight war der Tangoabend mit Riechen, Fühlen und Spüren.
Statt Kichern, Quatschen und Zappeln mussten die Männer die Frauen führen.

Voller Erlebnisse, Eindrücke, neuer Erfahrungen treten wir nun die Heimreise an.
Dank an alle! Zusammenhalt und internationale Solidarität – wir bleiben dran!


Abschließend namen etliche aus unserer "Family" noch an einer Demonstation von 50.000 - 60.000 Teilnehmern aus Anlass des 2. Monatstags des Verschwindens von Julio Lopez teil. Julio - ein 77-jähriger ehemaliger Bauarbeiter - war während der Militärdiktatur verhaftet und gefoltert worden. Er war der entscheidende Zeuge in einem richtungweisenden Fall bezüglich der Vergehen gegen die Menschenrechte und verschwand am Vorabend des 19. September, dem Tag, an dem ein früherer Polizeibeamter verurteilt werden sollte. Aufgrund des öffentlichen Drucks sah sich die Kirchner-Regierung gezwungen, einen für argentinische Verhältnisse ungeheuer große Summe von 200.000 Pesos (ca. 50.000 Euro) für Informationen zu seinem Verbleib ausgesetzt.




Mehr Infos dazu gibt es u.a. unter

http://www.zmag.de/artikel.php?id=1942
http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/51a43250d61caccfc1256aa1003d7d38/f0f6abe193867c53c12571f5004c48ed?OpenDocument

Nachdem wir dann im komfortablen Reisebus den internationalen Flughafen Ezeiza erreicht hatten, checkten wir ein, zahlten Flughafensteuer und flogen pünktlich gegen 22:30 Uhr Ortszeit ab. Am Sonntag abend Ortszeit waren wir dann in Düsseldorf. Schon in Madrid hatten wir uns von einigen unserer Family verabschieden müssen, die andere Flughäfen als Düsseldorf gebucht hatten. In Düsseldorf wurden wir von PEOPLE TO PEOPLE und etlichen Angehörigen mit Sekt empfangen. Letzte Umarmungen und diese eindrucksvolle und für mich wundervolle Reise ging endgültig zu Ende.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch mal ausdrücklich bei der ganzen Family bedanken. Es war ein große Freude für mich, mit euch als Reiseleiter unterwegs zu sein. Wir sind wirklich zu einer Familie geworden und haben alle Probleme - ob größer oder kleiner - gemeinsam gemeistert. Für eure Unterstützung dabei ein ganz herzliches Dankeschön!

So, das war der letzte Eintrag. Ich werde in den nächsten Wochen noch versuchen, einige Bilder einzustellen. Seht also ab und zu mal wieder rein, schreibt eure eigenen Kommentare!

Bis zur nächsten Reise!
Uwe

16 November 2006

Reisetagebuch Patagonien 15.11.06

Nach einem gemütlichen Frühstück werden wir mit Taxis abgeholt und fahren zu RENACER, einem ehemaligen Grundig-Betrieb. Nach einer herzlichen Begrüßung erzählen uns die Kollegen von ihrem Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze seit 1996.

Die Fabrik wurde 1980 von Grundig aufgebaut, damals noch unter den Bedingungen einer Freihandelszone. Zu der Zeit arbeiteten 1.500 Leute dort. 1996 sollte die Fabrik stillgelegt werden. Nach Protesten der Arbeiter bildete die Regierung zusammen mit der Gewerkschaftsführung eine „falsche Kooperative“, wie die Kollegen heute sagen. Denn nach 4 Jahren sollte Schluss sein und die Arbeiter sogar noch Geld investieren und Gesellschafter werden. Im Jahr 2000 wurde dieser Betrug offensichtlich. Als die Maschinen abtransportiert werden sollten, starten 50 der 350 noch vorhandenen Arbeiter eine Besetzung, zunächst im Zelt vor dem Tor. Für 20 Mio. Pesos sollte die Fabrik verkauft werden und die meisten Kollegen glaubten der Regierung, dass dies das Beste sei, damit sie ihr Geld wieder zurückbekommen würden. Die 50 Kollegen entschlossen sich dann zur Besetzung der Fabrik, damit sie die Maschinen und Hallen unter Kontrolle hatten. Sie brachen das Tor auf und gingen rein. Seit 7 Jahren kämpfen sie um den Aufbau einer echten Kooperative.

Zur Zeit arbeiten 100 Leute da, mit einem Lehrling. Sie sind stolz auf ihren bisher erreichten Erfolg, mit dem sie in ganz Argentinien als ein Vorbild bekannt sind. Am 6. Dezember steht die Entscheidung der Regierung an, dass die Kooperative als Eigentümerin der Fabrik anerkannt wird.

Ihre Selbstverwaltung beruht auf verschiedenen Prinzipien:
1. gleicher Lohn für gleiche Arbeit,
2. Rotation auf allen Arbeitsplätzen, einschließlich der Verwaltung,
3. Frauen verdienen so viel wie Männer.
4. Beratung des Verwaltungsteams durch einen Kontrollrat, in dem aus jeder Abteilung Vertreter sitzen.

Die Arbeitszeit ist momentan 6 Stunden, auf individuelle Unterschiede wie Krankheit oder Alter wird Rücksicht genommen. Sie verdienen jedoch wenig Lohn: durchschnittlich verdient ein Arbeiter in Ushuaia 2.000 Pesos im Monat, sie bekommen jedoch nur 600 Pesos.

Im Mittelpunkt unserer Diskussion stand die Frage, wie sie damit fertig werden, dass sie dem kapitalistischen Konkurrenzkampf standhalten müssen und gleichzeitig als Arbeiter ihre Interessen wahren müssen. Monika, die Sprecherin, sagte, dass dies eine tägliche, harte Auseinandersetzung ist. Sie sind stolz auf ihre guten Produkte und auf ihren solidarischen Zusammenhalt. Beeindruckt besichtigen wir die momentan still stehende Fabrik, da es nur wenige Aufträge gibt. Höhepunkt ist wieder das köstliche Asado.....! Wir singen noch ein Lied und zurück geht’s ins Hotel – zu unserem Erstaunen im Schneegestöber!

Auf dem Flughafen angelangt, wird’s immer doller und wir sitzen über eine Stunde in der Maschine und warten, ob der Pilot starten kann. Plötzlich reißt der Himmel auf, die Berge sind wieder zu sehen und der Pilot gibt Gas! Nach insgesamt 6 Stunden landen wir erschöpft, aber zufrieden in Buenos Aires.

15 November 2006

Reisetagebuch Patagonien 14.11.06

Fahrt von Ushuaia auf der Ruta 3 nach Nord-Osten an den Lago Fagnano.

Ein Teil der Gruppe fuhr an einem mäandernden Flüsschen mit Hochmooren und Torfabstich vorbei. Unsere Führerin Inés erzählte uns, dass hier an den Wochenenden viele Bewohner aus Ushuaia Picknick machen. Nächster Halt war bei der Husky-Zucht. 100 Hunde heulten und jammerten, weil sie zur sommerlichen Kutschenausfahrt ihres männlichen Leithundes dabei sein wollten. In diesem Tal wird im Winter auch Skilanglauf und sogar Biatlon gemacht. Nebenan ist das Alpin-Skizenter mit einer modernen Liftanlage und insgesamt 20 km Pisten. Hier trainieren auch europäische Skimannschaften, weil sieben Monate lang Schnee liegt, und das, wenn in Europa Sommer ist. Die Hütten-Hotels sind geräumig, fest Holzbauten, bestückt mit alten Fotos, Skiern, Trophäen, Expeditionsfotos der Antarktis (1965 erreichte erstmals ein Argentinier den Südpol) und dem obligatorischen offenen Feuer, das schon früh morgens brennt. Sehr gemütlich, ohne Kitsch!

Oben auf der Pass-Strasse, der einzigen Andenüberquerung innerhalb Argentiniens, ein Kondor! Das Jungtier schwebte bis zu drei Meter heran, zur Verblüffung der meisten, die gar nicht so schnell ihren Fotoapparat zücken konnten. Wir wanderten dann herunter zum Lago Fagnano, wo uns der Bus wieder aufsammelte. Die Landschaft hat etwas von der norwegischen Fjordlandschaft auf Grund der ausgewaschenen ehemaligen Gletschertäler, der Weitläufigkeit und den fjordähnlichen Seen. Auf der Rückfahrt gab es zartestes Lamm-Asado. Für alle gesunden Därme (und Nicht-Vegetarier) ein Genuss!

Unsere Führerin Inés, aus ursprünglich aus Buenos Aires und hier als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Touristikunternehmen tätig, war sehr auskunftsfreudig. Ushuaia hat eine Arbeitslosenquote von 7%, obwohl von einstmals 100 Betrieben nur noch in 12 produziert wird. Der Grund ist ziemlich brutal, denn das Klima macht es unmöglich, hier ohne feste Wohnung, warme Kleidung und Heizung zu überleben. Trotzdem demonstrieren hier täglich Frauen unter Führung der CCC gegen die Arbeitslosigkeit. Obwohl Ushuaia eine Hochburg des Tourismus ist, arbeiten 40% in der Verwaltung, weil Ushuaia die Provinzhauptstadt ist.

Reisetagebuch Iguazu 14.11.06

Zum letzten Mal genießen wir das Grün des Dschungels auf der Fahrt zur Edelsteinmine Wanda. Eine interessante Führung führt uns sogar in den kleinen Abbaustollen der Mine. In der Mine werden drei verschiedene Halbedelsteine abgebaut: Ametist, Quarze und Kristalle sowie Achate. Der nette Verkaufsladen ließ nicht nur Frauenherzen höher schlagen. Das tiefe Blau der Ametisten spiegelte sich in den verklärten Augen der Frauen wider.

Im vollgepackten Bus reisten wir weiter zu der Jesuitenruine „Misiones Jesuitico Guaranies“ in der Nähe von Pasados. Dort lebten vom Anfang des 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts tausende Guaranis, die indigenen Ureinwohner der Region. Die ganze Struktur und Bauweise der Anlage ist eine imponierende Meisterleistung der Menschen damals. Sie wohnten in großen Häusern in 4 bis 5-Personen-Wohnungen und lebten von Viehzucht und Teeanbau. Ein sehr versierter Museumsführer erläuterte uns anschaulich den Aufstieg und Niedergang dieses Ordens.

Im Cafe warten wir auf den Liegebus, der uns heute nach Buenos Aires bringt.

14 November 2006

Reisetagebuch Patagonien 13.11.06

Der Tag kündigte sich mit Regenschauern an. Die Berggipfel sind vom Neuschnee gepudert. Als wir um 8:30 Uhr losfuhren, war es zum Glück trocken. Windjacke, Handschuhe und Stirnband – wir sind gerüstet für den Nationalpark „Tierra del Fuego“.

Auf der Fahrt erfahren wir einiges über Ushuaia. Nachdem die Urvölker hier völlig ausgerottet wurden, lebte lange Zeit kaum einer mehr in diesem unwirtlichen Gebiet. Die Regierung richtet in Ushuaia von 1906 bis 1947 ein großes Gefängnis ein. Dort wurden die Schwerverbrecher inhaftiert. Sie bauten die südlichste Eisenbahn, bauten ein Elektrizitätswerk auf und rodeten viele Wälder ab, für den Häuserbau. So schufen Sie die Grundlage für die heutige Stadt. 1972 lebten hier immer noch nur 5.000 Menschen. Die Regierung senkte die Unternehmenssteuer, Unternehmen siedeln sich hier an und den Arbeitern wurden höhere Löhne bezahlt. Die Stadt wuchs auf 70.000 an (heutiger Stand).

Der Wald im Nationalpark ist grün – wir fahren in eine grüne Lunge rein. Wir sind alle etwas verwundert, wir haben uns auf Eis- und Gletscherwanderungen eingestellt. Hier laufen wir durch einen grünen Wald, mit zwitschenden Vögeln und vorsichtig sprießenden Frühlingsblumen. Neugierige Hasen am Wegrand empfangen uns freundlich. Das Wetter ist noch kalt. Im Sommer werden es durchschnittlich 10 C warm, 18 Stunden scheint hier dann die Sonne. Im Winter ist es nur 1 C warm, die Sonne blickt sich nur 8 Stunden täglich. Im Nationalpark „Lago Argentino“ (12.11.) erlebten wir die Eiszeit. Im heutigen Nationalpark erleben wir erdgeschichtlich eine Landschaft nach der Eiszeit. Seit 10.000 Jahren ist das Inlandeis weg. Das Ergebnis sind die vielen Seen, Bäche und Moore die wir im Park genießen können.

Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann in den Hafen. Dort startet unsere Expedition in den Beagle-Kanal. Wir segeln auf historischen Gewässern. 1813 segelte Darwin auf dem Schiff Beagle hier entlang, vom Atlantik zum Pazifik. Mit voller Spannung segeln wir auf eine kleine Inselgruppe zu. Hier stehen Hunderte von Pinguinen und schauen uns ganz neugierig an. Als wir näher kamen entpuppten sich die Pinguine als Kormorane – wir sind auch so sehr happy! Am besten war der Halt vor einer Insel mit einer Großfamilie von Seelöwen. Sie lagen ganz faul auf den warmen Felsen – sie sehen aus wie Kuscheltiere. Herrlich. Das Schiff fährt ganz nahe an den Felsen heran. Mindestens 100 Leute drängeln sich an der Reling. Alle sind ganz andächtig und mucksmäuschen still bei diesem Anblick. Diese wunderbaren Tiere und diese herrliche Natur möchten wir erhalten. Bei dem wachsenden Ozonloch und dem Wunsch einer US-Firma die Wälder hier abzuholzen, ist das nicht selbstverständlich.

Diesen herrlichen Tag ließen wir beim Essen und einem Bierchen im Che-Zentrum von Ushuaia ausklingen.

Reisetagebuch Iguazu 13.11.06

Ausflug nach Iguacu (brasilianische Seite)

Die Anlagen hier sind in ganz moderner Architektur, die auf Elemente des Tropenbaustils zurückgreift (viele Hölzer...). Der Panoramablick ist noch schöner als von der argentinischen Seite und die Wasserfälle können wieder von verschiedenen Ebenen aus betrachtet werden. Wieder Regenbogen über der schaumigen Gischt, teilweise sogar doppelte! Wieder zutrauliche Nasenbären am Wegesrand, die nach Futter suchen.

Nach diesem herrlichen Naturerlebnis fahren wir weiter zum weltgrößten Wasserkraftwerk Itaipu (binational Brasilien und Paraguay). Einfach gewaltig. Wir sehen den 170 Kilometer langen, riesigen Stausee von der Dammkrone aus. Das Kraftwerk wurde von 40.000 Menschen erbaut. Jetzt wird es von 3.000 Beschäftigten aus Brasilien und Paraguay betrieben. Aus der 40igfachen Wassermenge der Iguacu Wasserfälle wird 25 % des Strombedarfs von Brasilien und 90% von Paraguay produziert. Beim Bau wurde die Stahlmenge von 380 Eifeltürmen verbaut und mehr als doppelt so viel Gestein und Erde bewegt wie der Zuckerhut von Rio de Janeiro hat. Sehr beeindruckend.Anschließend fahren wir durch das brasilianische Fossa Iguacu, das erst 1914 gegründet wurde, 300.000 Einwohner hat, seine Gastronomie ist berühmt.

Was uns beim heutigen Ausflug störte, waren die vom hiesigen Reiseunternehmen eingeplanten Besuche in einem Schmuck- und Souvenirladen, später im Restaurant mit Verpflichtung zum Menü für 27 Pesos und am Nachmittag im Duty Free Shop. So etwas schätzen wir nicht. Heimfahrt zum Hotel. Ab 18.00 Uhr plantschen im Schwimmbad, Aufenthalt im Patio. Sanfter Wind, unglaubliches Vogelgezwitscher und Blumenpracht.

Reisetagebuch Patagonien 12.11.06

Der gestrige Abend wurde von unseren Mitreisenden unter 35 Jahren noch für ein Bad in unserem hoteleigenen Whirlpool genutzt. Der Hotelchef heizte uns das Wasser noch mal so richtig auf. Entspannung pur! Für unseren Geschmack sah das Wasser natürlich direkt etwas dreckig aus und wir erfuhren, dass es das Wasser des Lago Argentino ist.

Heute morgen 7 Uhr Abfahrt am Hotel. Unser Guide für heute ist Lukas. Ein sehr netter, gut Englisch sprechender Einheimischer. Mit einem Kleinbus fahren wir zum „Los Glaciares“ Nationalpark. Während der Fahrt berichtet Lukas, dass der Niederschlag in dieser Gegend unter 300mm im Jahr ist und es deshalb nur wenig Pflanzen und Bäume gibt. Doch während der Fahrt - wer hätte es gedacht - ein paar Regentropfen auf der Frontscheibe! Wir lachen und Lukas meint, wir wären schon in einer Gegend mit bis zu 600mm pro Jahr angekommen.
Auf einmal entdeckt Lukas auf der rechten Seite ein paar Kondore. Wir halten an und steigen aus. Ein totes Schaf lockt die riesigen Vögel an. Lukas erzählt, dass zur Zeit die Pumababys das jagen lernen müssen. So kann es vorkommen, dass in einer Nacht 4-5 Pumas 15-20 Schafe reißen. Um zu üben! Die Kondore sind Aasfresser und freuen sich über die Reste der Pumas. Die Bauern und Schäfer sind natürlich unzufrieden mit dieser Situation, aber die Pumas sind geschützt und dürfen nicht gejagt werden. Allerdings wird dies nicht kontrolliert und verfolgt.

Im „Los Glaciares“ Nationalpark befindet sich einer der größten Gletscher dieser Gegend – der Perito Moreno Gletscher. Er ist nach einem Landvermesser und Abenteurer benannt, der zum ersten Mal eine Landkarte dieser Gegend aufzeichnete. Wir verbrachten gute zwei Stunden in der Gegend rund um den Gletscher. Die Eindrücke, die man dort gewinnt sind kaum zu beschreiben! Direkt vor uns eine 60 Meter hohe Eiswand. Sie liegt auf dem Wasser. Täglich schieben die Eismassen von ca. 15 km Gletscher die Front um 1,5 m nach vorne. Das bedeutet, dass täglich vorne 1,5 m des Gletschers abbrechen und ins Wasser fallen. Unglaubliche Geräusche! Ständig knackt und knallt es. Alle starren wie gebannt auf das Eis und warten darauf ein großes Stück abbrechen zu sehen. Ein paar Mal können wir diesen Vorgang beobachten. Wir sind erstaunt über uns selbst, weil wir laut aufschreien bei diesem Anblick. Aber es ist einfach so faszinierend und ergreifend! Wir nutzten die Zeit im Nationalpark für eine kleine Wanderung (auch „Spaziergang“ genannt), um unsere müden Knochen wieder in Schwung zu bringen!

Gegen 13 Uhr waren wir zurück in Calafate. Dort machten wir noch einen kleinen Bummel durch die City, bevor uns der Bus zum Flughafen abholte. Der Check-in verlief mal wieder reibungslos und gegen 16 Uhr saßen wir im Flieger. Ein ruhiger Flug von gut einer Stunde erwartete uns. Gegen 17 Uhr erreichten wir also die angeblich südlichste Stadt der Welt – Ushuaia! Jetzt sind wir nur 4000 km vom Südpol entfernt! Zum ersten Mal auf dieser Reise checken wir in ein Hotel ein, in dem wir drei aufeinander folgende Nächte verbringen! Alle freuen sich darauf!Um 20 Uhr verabreden wir uns zum gemeinsamen Essen. Ein Teil der Gruppe lässt den Tag bei einer argentinischen Pizza, ein anderer Teil bei frischem Fisch in einer netten Hafenkneipe ausklingen.

Reisetagebuch Patagonien 11.11.06

Tagesausflug auf dem Lago Argentino zu den Gletschern

Start um 7:30 Uhr mit dem Mini-Bus von El Calafate nach Puerto Bandera. Die Sonne lacht. Es ist schon angenehm warm und relativ windstill. Wolken hängen nur in den weißen Gebirgshöhen der unteren Ausläufer der Andenkette. In großer Weite zieht sich die gelblich-grüne und topfebene Grassteppe von den Ufer des Lago Argentino zu den Gebirgshängen. Wir sind nicht allein. Hunderte von anderen Touristen warten mit uns am Hafen auf die schnellen hochmodernen Katamaran-Schiffe. Mit zeitweise über 40 km/h schnell jagt das Schiff über das anfangs türkisgrüne, später graublaue Eiswasser des Lago Argentino.

Dieser See ist 2-mal so groß wie der Bodensee. Es geht zu den Hauptattraktionen, den Gletschern und den vorbeischwimmenden Eisblöcken. Diese blauschimmernden Eisschollen und von Furchen durchzogene Eisberge, die uns an die Farbe der blauen Eiskugeln der Heladeria (Eisbude) erinnern, brechen an den Ausläufern des „Glaciar“ ab und werden vom Wind über den Lago Argentino getrieben. Der See hat keine Strömung und so kann es trotzdem passieren, dass Eisberge über 60 km bis El Calafate driften. Auch kann ein Haufen schwimmender Eisberge enge Passagen des Sees verstopfen und das Wasser dann bis zu 25 Meter hoch stauen, bevor dieser Damm bricht. Letztmals war das 2004, begleitet von großem Medienspektakel.

Das Patagonien, das wir hier sehen, wird seit über 10 Jahren zu einem modernen touristischem Magneten ausgebaut. Nordamerikaner, Brasilianer, Spanier, natürlich auch Argentinier aus allen Teilen des Landes kommen hier gerne her, um sich diese Wunder der Natur anzusehen. Das hat natürlich auch seinen Preis, den sich nur die Reichen leisten können. Um die Infrastruktur aufrecht erhalten zu können, muss fast alles hier her transportiert werden.
An der Reling stehen Scharen von Fotografen und Filmenden. Sie springen aufgeregt von links nach rechts und schnell wieder zurück, um die besten Motive zu erhaschen.. Ein Digitalfotograf brennt die von ihm geschossenen Bilder bis zur Rückfahrt auf CD, ein modernes Souvenir.Mit andächtigem Blick auf das Kielwasser kommentieren zwei ältere argentinische Damen: „Aqua natural – sin cloro“ (natürliches Wasser – ohne Chlor). In Argentinien kommt fast landesweit nur gechlortes Wasser aus den Hähnen, das so streng riecht wie in unseren Hallenbädern.

Nach langer Fahrt im „Parque National Los Glaciares“ (Gletscher-Nationalpark) und einem Zwischenstopp am Spegazzini-Gletscher geht es wieder zurück und in ein Seitental hinein zur Bahia Onelli.Wir verlassen das Schiff und marschieren mit Hunderten zum Picknick durch einen grünen Wald, ein längerer Querweg zum Gletscher Onelli. Wir kommen direkt am Ufer eines Gletschersees an, auf dem zig größere und kleiner Eisblöcke treiben. In der fast schon heißen Mittagssonne verzehren wir unsere Lunchpakete im Schatten und testen danach mit Hand oder auch Fuß die Wassertemperatur des Sees.In der Höhe können wir Kondore beobachten die den Aufwind nutzen, um sich hochzuschrauben und zu segeln.

In diesem Wald grüner „Lengas“, Bäume die nur hier oder in Australien wachsen, wachsen Beeren ähnlich der Preiselbeere, sowie die Calafate, eine intensiv gelb blühende Berberitze, aus der die Einwohner hier köstliche Marmelade machen und die der Stadt der Namen gegeben hat .An den Bäumen hängt die „usnea“, Flechten welche als Bärte der alten Männer benannt sind.

Nach dem Rückmarsch zum Schiff Fahrt zum größten Gletscher dem „Glaciar Upsala“. Mit 60 km Ausdehnung und 5-7 km Breite in einem verzweigten Tal ist er der längste in Südamerika. Haushoch ragt die zackige und blaugrau schimmernde Wand des Gletschers über die Oberfläche des Sees.Wir hören, dass dieser imposante Gigant in den letzten 50 Jahren um 15 km zurückgegangen ist und weiter gehen wird. Das Abschmelzen, das viel bestaunte Kalben des Gletscher, das Naturschauspiel des Abbrechens von Eisblöcken, sind aber unbestreitbar Bestandteil des Fortschreitens der globalen Klimaerwärmung. Angesichts dieser Naturschönheit und „unberührten“ Landschaften gibt das nicht nur uns zu denken und Ermutigung sich noch engagierter gegen die globale Umweltzerstörung und für den Erhalt der natürlichen Umwelt einzusetzen.

Reisetagebuch Iguazu 11.11.06 und 12.11.06

11.11.06
Auf dem Weg zu den Wasserfällen von Iguazu

Ein leichtes Licht zur Rechten durchbricht meinen Tiefschlaf zum ersten Mal an diesem Morgen. Es ist 10 nach fünf und der Horizont wird angestrahlt von der noch nicht aufgegangenen Sonne – ein gigantischer Anblick. Sieben Stunden im Liegebus geschlafen, fast wie im Bett. Die Landschaft wechselt von Viehweiden mit einzelnen Bäumen, zu größeren Flächen mit Urwald, dazwischen Anbau von Matefeldern und größere Flächen von schnurgerade angeordneten Kieferwäldern. Alles grün in grün und immer wieder durchbrochen von der roten Erde in Gruben oder auf Straßen in der Nähe von kleinen Dörfern. Mit den Lichtspielen der aufgehenden Sonne ist dies schon ein Erlebnis. Und es hat sich gelohnt so früh aufgeweckt zu werden von der Mutter Natur.

Wie wir von einem Einheimischen erfuhren, haben die Kieferwälder den einzigen Sinn, die drei umliegenden Papierfabriken zu beliefern. Eine Demonstration mit einem kurzen Stop des Busses hatte neben den Landlosen das Anliegen gegen die Umweltzerstörung zu protestieren. Kein Arbeitsschutz für die Beschäftigten in den Papierfabriken, Belastung Luft in der gesamten Region, die Düngung des Bodens mit toxischen Chemikalien für die Wiederaufforstung des Bodens und die Vergiftung der Flüsse macht die Menschen hier krank, auch mit erhöhten Krebsraten. Wir erfuhren: es ist eine Umweltbewegung der kleinen Leute mit wenig Geld, die aber größer ist als die Demonstration selber. Wir wünschen unserem Informanten noch viel Erfolg im Kampf für die Erhaltung der Natur.
Mittags kommen wir in einem romantischen Hotel mit schattigen Innenhöfen und einem Schwimmbad an. Alle sind ge- und entspannt.

Nach der Siesta gingen wir zum 3 Ländereck Argentinien, Brasilien und Paraquay und bestaunen die breiten Flüsse.



12.11.06
Ein Tag im Nationalpark Iguazu

Heute fuhren wir um 8.30 Uhr zum Unesco Weltkulturerbe der Wasserfälle von Iguazu (argentinischer Teil). Wir verbrachten den ganzen Tag dort und es hat sich richtig gelohnt: ein riesiges Gebiet mit grandiosen Wasserfällen, den größten der Welt. Kilometerlange Wandersteige führen durch den tropischen Urwald – so kommen wir nah an die Wasserfälle. Der Wind trägt den Sprühregen der Wasserfälle bis zu uns, eine willkommene Abkühlung. Das Sonnenlicht zaubert immer wieder einen herrlichen Regenbogen in die Schluchten. Wir sind begeistert und mit uns viele, viele andere Besucher. Am Nachmittag fahren wir mit einem Bähnchen in die Nähe der Garaganta del Diablo (Teufelsschlucht). Dieser gigantische Wasserfall ist der Höhepunkt unserer Tagestour. Das Naturschauspiel sucht seinesgleichen.

Eine leichte Brise belebt uns, vereinzelte Wolken spenden Schatten. Rechts und links der Wandersteige wuchern Pflanzen, die so manch einer von uns als ‚Kümmerling’ im Wohnzimmer stehen hat. Hier gedeihen sie prächtig und fühlen sich wohl. Ein Tapir, Leguane und Nasenbären kreuzen unseren Weg. Schmetterlinge – groß und farbenprächtig – tanzen durch die Luft. Auf den Puma warten wir vergeblich. Auf dem Weg zum Bus sehen wir noch Kunsthandwerkstände der Guarani, für die wir leider keine Zeit mehr hatten. Müde und manche etwas nass kommen wir zum Bus zurück und sind gegen 18 Uhr wieder im Hotel Los Helechos.

10 November 2006

Wir haben uns getrennt ...

... nein, nicht fuer immer, aber bis einschliesslich naechsten Mittwoch!

16 Abenteurer sind heute nach einem Flug von ca. 3.000 km im atemberaubenden Patagonien gelandet - in El Calafate am Lago Argentino inmitten einer unglaublich schoenen Landschaft. Wir haben heute mal ausgerechnet, dass es dieser Teil der Gruppe im Verlauf der Reise auf ca. 35.000 Flugkilometer bringen wird, aber mit den hervorragenden Maschinen hier in Argentinien ist das ein echter Spass! Mittlerweile ist auch bei allen der letzte Rest von Flugangst verflogen.

12 Abenteurer machen sich in einem ca. 14-stuendigen Bustransfer auf zu den Wasserfaellen von Iguazu.

Alle sind wieder fit!

Und ab demnaechst erwarten euch hier fuer einige Tage 2 Reisetagebuecher!

Soweit mal eine kurze Zwischenbemerkung des Reiseleiters.

Viele Gruesse an alle!
Uwe

Reisetagebuch 09.11.06

Totaler Erholungstag!

Alle hatten die ruhige Nacht in der Natur genossen. Die Kranken haben sich weitgehend erholt, die Weiterfahrt ist nicht mehr gefährdet. Das Wetter ist wunderbar. Gymnastik vor dem Frühstück. Sechs Kanus stechen in den Rio de la Plata. Die anderen lesen, schlafen, gehen spazieren, schreiben Tagebuch.Mittags gibt es ein herrliches Asado mit Huhn an einem langen Tisch im Garten serviert.

Später holt uns ein Motorboot ab für eine Rundfahrt durch das Tigre-Delta. Es ist ein Teil des Rio de la Plata mit immerhin 2.300 km Wasserarmen. Es hat schmucke Häuser, große Gärten, viel Grün. Die meisten Bewohner scheinen recht wohlhabend zu sein. Uns fällt der rege Wassersportverkehr auf.Mit 7.000 Einwohnern ist das Tigre-Delta eine richtige Siedlung, einmal am Tag kommt der öffentliche "Boot-Bus", alle vierzehn Tage ein schwimmendes Krankenhaus mit Zahnarzt, regelmäßig auch der Supermarkt auf Wasser. Täglich werden die Kinder mit dem Boot zur Schule gebracht und wieder abgeholt.

Der Abend steht zur freien Verfügung. Die Jugend geht tanzen, andere suchen eine Musikkneipe. Empfehlen können wir das Kulturzentrum in der Av. Sarmiento (zwischen Av. Montevideo und Parania), wo es wöchentlich einmal kostenlos Jazz, Folklore und Tango gibt. Außerdem gibt es täglich Jazz in "notorions", Av. Callao 966 (Tel. 48136888), meist mit Eintritt von 15 - 20 Pesos (4.- bis 5.- €), heute auf jeden Fall hervorragend!

Reisetagebuch 08.11.06

Heute mussten wir schon beim Frühstück feststellen, dass einige Teilnehmer die Nacht nicht wie geplant im Bett sondern hauptsächlich auf der Schüssel verbrachten. Im Laufe des Vormittags nahmen wir sämtliche Krankenbilder auf und unser Arzt (der auch noch selbst ziemlich betroffen war) kümmerte sich direkt um die Gesundheitsversorgung. Einige blieben deshalb im Bett, während sich die Gesunden noch Mal in Ruhe in BsAs umsahen.

Gegen 11 Uhr entschieden wir, dass alle bis auf zwei die Fahrt ins wunderschoene Delta Tigre antreten können. Daraufhin holte uns der Bus pünktlich um 13.30 Uhr vor dem Hotel ab. Er setzte uns nach ca. einer Stunde an einer Anlegestelle im Delta Tigre ab. Von dort ging es mit dem Boot weiter zu unserem Hotel (oder besser gesagt zu unserer Jugendherberge) auf einer Insel. Die Ruhe und Abgeschiedenheit – im krassen Gegensatz zum immer lauten und lebendigen Buenos Aires - begeisterte alle und wir nutzten das sofort um richtig zu entspannen.

Dazu bestellten wir zum Abendessen anstatt des geliebten Asado lieber Reis für alle. Das förderte auch direkt die Genesung unserer Kranken und gegen Abend ging es allen schon sichtlich besser. Die Gesunden nutzten die schönen Möglichkeiten hier und spielten Volleyball und organisierten eine Kanufahrt für morgen. Dann ließen wir den Tag gemütlich ausklingen, einige bei Kniffel und Mäxle. Ein wunderschoener Tag zum Erholen und die Seele mal baumeln zu lassen – leider etwas getruebt durch etliche gesundheitliche Probleme, die sich aber mittlerweile wieder fast vollstaendig erledigt haben.

09 November 2006

Reisetagebuch 07.11.06

Heute ist Dienstag. Unser Flug nach BsAs geht schon um acht. Deshalb heißt es früh aufstehen. Um 6.15 Uhr ist Frühstück in Salta. Der Bus steht pünktlich 6.45 Uhr vor dem Hotel. Der Check in geht total unbürokratisch von statten. Innerhalb von 30 min haben alle 29 Personen ihr Gepäck aufgegeben und die Tickets in der Hand. Wie üblich breitet sich bei wenigen Teilnehmern die Flugangst aus. Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen wächst langsam ein Vertrauen in die Piloten. Der Flug verläuft ohne Probleme.

Um 10 Uhr Ankunft im deutlich kühleren Buenos Aires. Mit dem Bus geht’s zum Hotel. Dort trennen sich die Wege der Teilnehmer und jeder gestaltet den Tag nach eigenen Wünschen. Einige besuchen die Streikenden eines Krankenhauses. Für die Presse in Deutschland wird direkt diese Korrespondenz geschrieben:

"Buenos Aires. Seit fünf Monaten stehen die Arbeiter, Pflegekräfte, Reinigungskräfte des Krankenhauses im selbständigen Streik. Er ist in Buenos Aires ein Politikum ersten Ranges, da er sich gegen die Kirchnerregierung richtet. Inmitten einer Traube von 50 Streikenden, Patienten und Besuchern berichtet David Garuti, der Streiksprecher gegenüber Teilnehmern einer Reisegruppe von people to people.

Der Kampf begann bereits im letzten Jahr. Eine Investorengruppe unter direkter Führung des Premierministers brachte die gemeinnützige Einrichtung, in der 1340 Arbeiter und 400 Ärzte arbeiten unter ihre Kontrolle. Es wurden keine Beiträge mehr in den Fonds für die Betriebsrente, die einzige Altersvorsorge einbezahlt. Dagegen wehren sich die Kollegen. Sie fordern eine Erhöhung der Löhne um 20 Prozent, damit sie überhaupt das Existenzminimum für eine Familie erreichen und eine Verbesserung des Lohngefüges.

Sie kämpfen für die 35 Stundenwoche. Der von der Regierung eingesetzte Verwalter verfügte erste Entlassungen und die Schließung einzelner Abteilungen. Das sehr beliebte Krankenhaus, zu dem viele Leute eine persönliche Verbindung haben, soll in den Bankrott getrieben werden. Die Kollegen kämpfen deshalb auch für die Eingliederung des Krankenhauses, zu dem auch ein Altenheim gehört, in das öffentliche Gesundheitswesen.
Seit Mai streiken die Kolleginnen und Kollegen. Die Mehrheit sind Frauen, auch einzelne Ärzte beteiligen sich. Sie haben auch schon die Strasse vor dem Gesundheitsministerium blockiert. Der Streik wird von der Gewerkschaftsführung nicht unterstützt. „Nicht ein Glas Wasser haben wir von da bekommen!“ - so David Garuti. Breite Unterstützung - auch für den selbstorganisierten Streikfond erhalten sie hingegen aus der Bevölkerung, von Patienten, Gewerkschaftern, verschiedenen politischen Parteien. Am 9.10.06 kam es zu einer dramatischen Zuspitzung. Während einer der Streikversammlungen, auf denen alles entschieden wird, wurden bewaffnete Provokateure eingesetzt, was auch das Fernsehen dokumentierte. Auch um seine eigene schäbige Rolle zu vertuschen, behauptet der Regierungschef, die Provokateure wie die Arbeiter seien gemeinsam Schuld und ließ gegen sechs Kollegen Anklage erheben. Die Kollegen fordern die Niederschlagung dieser Anklage. Sie kämpfen weiter mit großer Entschlossenheit gegen die angekündigte 40 prozentige Lohnkürzung und Arbeitszeitverlängerung und für die Auszahlung der einbehaltenen Löhne.
Heute werden sie eine Demonstration und eine weitere Strassenblockade durchführen. Von besonderer Bedeutung ist, dass sie zehn bereits gekündigte Kollegen wieder in den Betrieb holen konnten. Was lag da näher, als auch von ähnlichen Erfahrungen des Kampfes am Klinikum in Duisburg zu berichten. Auch unsere Berichte über das Gesundheitswesen und die Kämpfe in Deutschland werden herzlich und zustimmend aufgenommen. Buttons finden sich gleich an der Arbeitskleidung der Kollegen wieder, die Streiktüte wird an gezogen. Ein lebendiges Beispiel internatonaler Solidarität und herzlicher Verbundenheit. Die Kollegen bitten uns, ihren Kampf breit bekannt zu machen.
Spenden für den Streiksfond sind möglich an: Cuenta Banco Nacion Suc. San Cristobal 0091 , No. 6560113335/6.
Wir drücken uns gegenseitig in einem bewegenden Abschied."

Auch auf der Website der Gewerkschaft Ver.di erscheint ein Bericht und weitere Fotos:

Bericht: http://gesundheit-soziales.verdi.de/
Fotos: http://gesundheit-soziales.verdi.de/archiv/bilder_buenos_aires/defaultView?rnd=2733404.62123

Abends fuhren einige noch nach San Telmo. Geplant war Abendessen und ein Tangoabend. Eine andere Gruppe war noch in BsAs zum Abendessen. Die ganz müden blieben im Hotel und tankten neue Kraft.

Reisetagebuch 06.11.06

Im tropisch heißen San Pedro de Jujuj begrüßten uns die Companeros von der CCC. Das Asado wird von einer Gruppe von Männern und Frauen schon vorbereitet, Kartoffeln werden geschält, Gemüse geschält... Chupe, ein Aktivist und Arbeiter der Zuckerfabrik erzählt uns die Geschichte der Zuckerfabrik La Esperanza. Sie sollte geschlossen, das haben die Arbeiter durch die Besetzung des Betriebes im Jahr 1999 verhindert. Dies war die erste Betriebsbesetzung in Argentinien und ein wichtiges Signal.

Auf dem Weg durch die Stadt lädt uns ein Cafebesitzer zu Limonade und Kaffee ein. Von der ersten Reisegruppe aus Alemania hatte er nichts mit bekommen, sonst wäre sie auch zu diesem Genuss gekommen. Wir bedanken uns mit einem Ständchen „Dem Spender sei ein Trulala- das Cafe, das ist wunderbar.“ Nach diesem angenehmen Zwischenstopp fahren wir weiter zur Zuckerfabrik, unterwegs begegnen uns Arbeiter auf Fahrrädern und Mopeds.

270 sind ständig beschäftigt, vor zwanzig Jahren waren es noch 900, 1200 Kollegen teilen sich die restlichen Arbeitsplätze. Voller Spannung auf die Besichtigung wird uns jedoch der Zugang verwehrt - mit der fadenscheinigen Begründung, es wäre nicht sauber genug und die Ernte sei gerade zuende.

Nach einem leckeren Asado gibt es einen lebendigen Erfahrungsaustausch, zwischen uns und den anwesenden Kollegen und Kolleginnen, der munter noch 2 Stunden hätte weitergehen können. Von Frauentreffen in Jujuy bis zur Lage und dem Kampf in den deutschen Grossbetrieben und der Lage der Jugend reicht die Palette. Die argentinischen Freunde bekommen auch ein besseren Eindruck vom Leben und Kampf in Deutschland. Einer verfasst es zusammen mit den Worten, mein Bild über Deutschland hat sich verändert durch die Diskussion.

Wir singen noch drei Lieder und im Bus mit den mitfahrenden Companeros „Ole, Ole – Ole,Ola. Corte de ruta ( Besetzt die Strasse) Paro nacional ( Generalstreik), Argentinazo Y goblierno popular ( Volksregierung). Nach einer kurzen Busfahrt stehen wir vor der größten Zuckerfabrik Südamerikas Ledesma. Melassegestank schlägt uns entgegen, Fliegen, die der Konzern einschleppen liess zur Schädlingsbekämpfung umschwirren und stechen uns. Durch das Verbrennen der Blätter der Zuckerrohrpflanze wird das Klima zusätzlich angeheizt, Feinstäube führen zu vermehrten Lungenkrankheiten. Der Konzern besitzt große Teile der Region, so dass für die Bevölkerung nicht einmal mehr Platz für ihre Friedhöfe und Häuser. Riesengroß ist hingegen das rosa Herrschaftsgebäude der Besitzer. 400 Kollegen verschwanden schon vor der Militärdiktatur während eines herbeigeführten Stromausfalls, 400 sind bis heute verschwunden.

Deshalb war es von großer Bedeutung, dass gerade hier 1996 eine der ersten großen Strassenblockaden stattfand. Innerhalb einer Woche schwoll die Zahl von 2000 auf 15 000 Teilnehmer an. Zum ersten Mal Nach der Militärdiktatur konnte der Widerstand trotz massivem Polizeieinsatz nicht gebrochen werden, das Volk setzte sich durch- auch das war ein wichtiges Signal für ganz Argentinien.

Auf der Rückfahrt verabschieden wir uns herzlich, mit Küsschen, kleinen Geschenken und unserem Hit „Mamorstein und Eisen bricht“ von Marcela, die uns als Reisefuehrerin mit durch die Woche begleitet hatte. Unser Busfahrer Oscar erhaelt ein spezielles Staendchen mit dem Lied des argentnischen Komponisten Raul Barbossa auf dem Akkordeon und liess und mit seinen schon fast philospischen Bemerkungen zum Abschied nochmals einen tiefen Einblick in die Mentalitaet der Menschen im Norden Argentiniens nehmen.

Reisetagebuch 05.11.06

Ausschlafen in Tilcara auf ca. 2.500 m Hoehe mit Dorfrundgang. Das Hotel war wunderschön in örtlicher Bauweise durchgestaltet: Bruchsteinmauern, Dach aus Bambus beschichtet mit Lehm und Gras, ein- bis zweistöckig mit vielen Innenhöfen. Der nächste Ort Humahuaca liegt schon nahe an der Grenze zu Bolivien auf fast 3.000 m.

Die Quebrada liegt insgesamt noch im tropischen Gürtel, Jujuy im subtropischen, mit viel Zuckerrohr- und Tabakanbau. In der Provinz gibt es auch ein Stahlwerk mit 16.000 Beschäftigten. Humahuaca hat ein Denkmal für den Widerstand der Indios gegen die Spanischen Eroberer mit einer imposanten Freitreppe. In der Reiselektüre wird das als völlig überdimensioniert abgetan, was aber überhaupt nicht zutrifft.

Auf der Rückfahrt nach Jujuy berichtete Rafael, warum das Kupferbergwerk in San Antonio des los Cobres auf 4.000 m Höhe geschlossen wurde, an dem wir am 3.11.06 vorbei gefahren waren. Die Berge enthalten Wasseradern, die durch vulkanische Aktivitäten unter besonders hohem Druck stehen und teilweise heiß sind. 1986 bohrten Arbeiter eine Wasserader an. Es kam zu einer Katastrophe mit vielen Toten. Das führte zu politischen Unruhen unter der Bevölkerung. Die Minengesellschaft traut sich bis heute nicht, die Produktion wieder aufzunehmen aus Angst vor erneuten Protesten. Es gibt eine wachsende Umweltbewegung in Argentinien, die aber offenbar noch nicht so verbunden ist mit der Arbeiterbewegung.

Auch in Bezug auf die Minen, wo durch die Auswaschung der Erze das Wasser und die Landwirtschaft zerstört wird. Dem müssen wir noch weiter nachgehen. In einem Laden für Kunsthandwerk sprach uns der Besitzer auf Deutschland an: Aha Mundial! Noch immer und ueberall ein Thema und fast alle Argentinier haben es noch nicht verdaut, im Elferschiessen gegen Deutschland ausgeschieden zu sein. Der Mann war international gut informiert und erzählte, dass hier viele Leute aus Uruguay, Bolivien und Peru arbeiten bei 14.16 Stunden pro Tag und 15 Pesos. Er wollte auch wissen, wie es mit der Mauer und der Wiederveinigung ist.

06 November 2006

Reisetagebuch 4.11.06

Nach tollem Frühstück mit wie überall hier leckerem Milchkaffee „café con leche“, Orangensaft, Obst, Cornflakes, Vollkorntoast, den unvermeidlichen süßen Hörnchen „media lunas“ verlassen wir gut ausgeschlafen Salta. Es wird vom nächtlichen Besuch einer Musikkneipe berichtet und eine frisch erworbene CD des Sängers mit sagenhafter Stimme vorgespielt. Herzschmerz pur – nicht jedermanns Geschmack, bei den Argentiniern aber sehr beliebt.

Daheimgebliebene können jetzt auch Postkarten erwarten – die Post war offen, keine endlose Schlange und es gibt sogar richtige Briefmarken statt nach Bedarf gestempelte Kleber, die auch sehr schwer zu erhalten sind. Hoffentlich finden wir auch die Briefkästen, die fast nur vor der Post stehen und wie blaue Mülleimer aussehen.

Erstmalig erhalten wir im Bus eine kurze Nachrichtenübersicht aus der aktuellen Zeitung – Radio Jujuy – der Wetterbericht entfällt dabei, es regnet noch leicht. Aber Oscar, unser Busfahrer, hat die Wette gegen Uwe gewonnen: später kommt die Sonne raus.

Wir fahren durch ausgedehnten Großgrundbesitz der kleinen Provinz Jujuy. Hier arbeiten vor allem Wanderarbeiter, die „colendrinas“, nach dem spanischen Wort „Schwalbe“. Sie arbeiten 10 bis 12 Stunden täglich, 6 Tage die Woche für etwa 100 Euro. Das kleine, für die ganze Familie vom Großgrundbesitzer gemietete Häuschen kostet etwa 30 Euro. Kinder arbeiten ab 14, 15 Jahren mit. Der Durchschnittslohn für ganz Argentinien liegt bei etwa 190 bis 200 Euro. Das ist für eine Familie gleichzeitig das Existenzminimum.

In Purmamarca erwarteten uns wieder bunte Teppiche, Taschen, und allerlei Kunsthandwerk auf einem ausgedehnten Marktplatz. Nach einem kleinen Essen mit typischen, in Maisblätter gewickelten verschiedenartigen Klößen genießen wir einen ausgedehnten Spaziergang in die bunten Berge, in die sich kleine grüne Siedlungen mit lehmroten Häuschen malerisch einbetten.

Über die „Ruta Jujuy“ und einen Pass von 4170m erreichen wir nach unzähligen Serpentinen den Salzsee „Salinas“ vulkanischen Ursprungs. Arbeiter erzählen uns, dass dieses Salz vor allem für Salzsteine für das Vieh verkauft wird. Sie zeigen uns Figuren, Gefäße und ganze Sitzecken, die aus diesen Salzsteinen gefertigt sind. Wir berichten von den Kollegen in Bischofferode und verabschieden uns mit dem Sonnenuntergang herzlich von ihnen.

Erst spät erreichen wir unser wunderschönes Naturhotel in Tilcara. Der Tag war wunderschön, aber der zeitliche Ablauf geriet ziemlich stark aus den Fugen. Zuerst dauerte das Mittagessen doppelt so lange wie geplant. Unsere argentinischen Führer hatten morgens sogar vorgeschlagen, abends noch ein Rockkonzert zu besuchen! Schade, das war nicht mehr drin.

Zweimal über 4000 Meter hoch zu fahren, war sehr anstrengend. Zwei Tage hintereinander ist das wie Hochleistungssport. Wir gingen von einer entspannten, kürzeren Busfahrt aus – diese Hochgebirgsfahrt war dennoch sehr beeindruckend, vor allem zurück im Mondschein! Noch mal ein dickes Lob für unseren Busfahrer Oscar! In Tilcara gingen wir kurz vor Mitternacht noch eine Kleinigkeit essen und erlebten dabei wieder wunderbare Musik mit Gitarre, Gesang und Flöten.

Reisetagebuch 3.11.06

Heute fahren wir von Salta aus in die Anden. Wegen der langen Fahrt starten wir bereits um 7:30. Im Bus wird von der Demonstration am Abend vorher berichtet:
Sie richtete sich gegen die Verantwortlichen für die Verschwundenen in der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 und aktuell gegen das Verschwinden des Hauptzeugen Lopez im gegenwärtigen Prozess.

Wir fahren viele Kilometer durch Tabakfelder, ein Hauptprodukt der Region Salta, wie uns Reiseführer Rudi erzählt. Rudi macht uns aufmerksam auf den Ceibo, ein wunderbar rot blühender Baum.

In Campo Quijano beginnt der „tren de las nubes“. Die weltberühmte Strecke „el postal de los andes“ führt über die Anden nach Chile. Sie wurde von 1921 bis 1950 erbaut und führt durch diese großartige Landschaft. Der Zug transportiert Kupfer, Wolle und Holz. Unser Bus fährt auf der Parallelstrecke, ab und zu die Gleise kreuzend. Einige Stahlbrücken bezaubern unsere Fotographen, denn sie überspannt in fast 400 m Höhe das felsige Tal.
Wir erleben ein herrliches Naturschauspiel: kleine Bäche und große Trockentäler, Pappeln und Birken, Kandelaberkakteen ohne Zahl und herrliche Weiden. Friedlich weidende Herden von Lamas, Schafen, Rindern, Ziegen und einzelne Esel. Die Kulisse bilden die Gebirgszügen in für uns ungewöhnlichen Farben: rostrot, graugrün, Brauntöne. Der azurblaue Himmel ergänzt dieses Naturparadies.
Auf Passhöhe von über 4200 m gibt es eine Pause. Wir merken wie dünn die Luft ist. Mit Nachdruck weist uns Rudi an, uns nur langsam zu bewegen. Mit Kokablättern sind wir bestens gegen die Höhenkrankheit gefeit.

In San Antonio de les cobres, ein Ort mit 6000 Einwohnern gibt es ein wohlschmeckendes Mittagessen. Kinder und Frauen bieten uns Strickwaren und Kunsthandwerk an. Eine Frau berichtet: In der naheliegenden Borax-Mine Concordia arbeiten 1000 Männer für die Seifenherstellung. Ihr Monatslohn ist 400 Pesos (~100 Eu). Sie schuften 45 Tage und haben dann 7 Tage frei.
Die naheliegende Kupfermine ist schon lange stillgelegt. Die Armut ist nicht zu übersehen. Die Menschen wohnen in sehr einfachen Lehmziegelhäusern.
Auf der Rückfahrt findet im Gang des Busses eine Modenschau statt. Unter dem charmanten Kommentar eines "Modefachmanns" zeigen einige „Models“ ihre neu erstandenen Strickjacken und Schultertücher. Das war natürlich noch längst nicht alles, was in den Rucksäcken verstaut war! Das Ende unserer Fahrt wird von heftigem Regen begleitet. Unser Chaufeur Oscar umfährt die riesigen Pfützen sehr geschickt. Um 20:00 Uhr kommen wir beglückt, aber erschöpft ins Hotel in Salta zurück. Dieses grandioses Erlebnis bleibt in unserem Gedächtnis.

Reisetagebuch 2.11.06

Beim Frühstück waren fast alle topfit, ob sie nachts Schnaken gejagt hatten oder in der Musikkneipe waren. Als der Musiker sich dort endlich aufraffte, mit der Gitarre zu spielen, obwohl eine Saite fehlte, steigerte sich die Stimmung im Laufe des Abends. Ein begeisternder Streifzug durch die argentinische Musikkultur.
Um 9.30 Uhr verlassen wir Cafayate zu den Ruinen der Quilmes. Es gibt erstaunlich viele Radfahrer in der Stadt, und auch Campingplätze mit Pool.
Wir fahren nach Süden in die kleinste aber dicht besiedelste und geschichtlich interessanteste Provinz Argentiniens Tucuman. Um uns herum Weinanbau mit Bewässerung, auf der weiteren Fahrt sieht die Gegend aus wie eine Trockenwaldwüste mit knorrigen Sträuchern Ginster, Tamorisielie und Bäumen, vielen Kakteen. Am eindrucksvollsten sind die Kandelaberkakteen, die uns an den Wilden Westen erinnern. Aus dem Holz der abgestorbenen Kakteen werden Kunstgegenstände aber auch nützliches wie Lampen hergestellt. Es ist verboten die grünen Kandelaber abzuholzen.
In einem der wenigen Dörfer spielen die Kinder Fußball, der Friedhof ist sehr aufwendig mit Blumen geschmückt.

Wir kommen im heißen und staubigen Quilmes an, der letzte Hinweis des Reiseleiters „Sonnenschutz aufzutragen“ ist mehr als begründet. Wir sehen vor uns sehr eindrucksvoll die Ruinen einer terrassenförmig angelegten Siedlung bis hoch in den Berg. Dieser zentrale Ort der Quilmes Indianer war Lebenszentrum, Kultstätte, Wohnraum, Festung zur Verteidigung im Kriegsfall. Die Schutzmauer war 2 Meter hoch und 4 Meter breit. Es wurde berichtet, dass die Frauen für die Landwirtschaft, Kindererziehung und Wasserversorgung zuständig waren. Welche gesellschaftliche Stellung sie hatten ist uns unklar. Es war eine Gesellschaft, die hierarchisch aufgebaut war, der Überschuss diente der Vorratshaltung der Gemeinschaft. Es gab kein Privateigentum. Für uns seht im Widerspruch dazu, dass der Museumsführer sagte, die Frauen hätten keine Rechte gehabt.


Die Quilmes lebten seit dem 9. Jahrhundert hier. Sie trotzten erfolgreich den Angriffen der Inkas. Gegen die Angriffe der Spanier führten sie 135 Jahre lang einen Verteidigungskrieg bis sie 1635 besiegt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren es 5.000 Quilmas, die letztendlich durch Wasserentzug und Gifteinsatz geschlagen wurden. Die letzten 2.000 wurden zu Fuß die 1500 Kilometer nach Buenos Aires gejagt. Davon kamen 400 lebend an. Sie beschlossen sich nicht weiter zu vermehren. Auch wenn nach ihnen eine Stadtteil und ein Bier benannt ist, sind sie ausgestorben.
Zur weiteren Besichtigung stiegen wir den ursprünglichen Pfad durch die Reste der Siedlung auf den Berg und hatten einen beeindruckenden Ausblick auf die Festung und Lebensraum.

Danach genossen wir die Fahrt im klimatisierten Bus nach Salta mit Mittagspause in Cafayate. Auf dem Rückweg konnten wir nochmals die herrliche Landschaft durch die wir schon am Vortag gefahren waren nochmals entspannt genießen. Unser argentinischer Begleiter Raffael wünschte sich von uns Bella chio und lernte uns ein Lied aus dem Argentinazo.

„Carte de ruta
Paso nacional
Argentinazo
gobierno popular“

Unser Bericht endet hier, weil wir uns jetzt zur Erholung mit unserer Reisegruppe in einer der gemütlichen Kneipe treffen.

Reisetagebuch 1.11.06

Vormittags besichtigen wir mit dem Bus die Stadt Salta, mit 600.000 Einwohnern größer als wir erwartet hatten. Denkmäler zeugen vom erfolgreichen Widerstand der Gauchos gegen die spanischen Eroberer Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Kontrast zwischen der Armut des größten Teils der Bevölkerung und reichen privaten Herrschaftshäusern im Kolonialstil, nicht zu vergessen die prunkvollen Bauten der katholischen Kirche, prallen aufeinander.
Nach zwei Stunden geht es weiter Richtung Anden – eine so vielseitige Natur mit 14 Klimazonen, dass man sie gar nicht beschreiben kann – man muss sie erleben.
Wir durchkreuzen ein Dschungelgebiet, das von hier über den Amazonas bis Venezuela reicht und große Bedeutung für das Weltklima hat. Auch hier kann nur mit Kampf gegen geplante Rodungen vorgegangen werden. Die Bauern können nur überleben, wenn sie sich in Kooperativen zusammenschließen.
Mittagessen mit Sandwiches im abgelegenen Alemania, wo früher die Eisenbahnstrecke endete, heute reicht sie nicht einmal mehr hierher. Schüler der nahegelegenen Schule spielten Fußball. Auch sie kannten Ballack.
Unser Reiseführer Sergio weist uns auf weiß gefärbte Steine hin, die für Goldvorkommen stehen. Im Bus kam Goldgräberstimmung auf.
An verschiedenen touristischen Highlights steigen wir aus, schießen Hunderte von Fotos, z.B. an der „Garganta del Diablo“, der „Teufelskehle“. Am Amphitheater testen wir die besondere Akustik aufgrund der thermischen Windverhältnisse in der Schlucht mit dem Lied „Marmor, Stein und Eisen bricht...“
Der Bus kam selten pünktlich weiter, weil vor allem die Frauen an den Kunsthandwerkständen mit Kettchen und Döschen für die Kettchen hängen blieben.

In der Schlucht „Valles Calchaquies“ begeisterte die Vielfalt der Felsen. Es gab von den Gletschern der Eiszeit scharfkantige Felsen, direkt daneben von der Witterung rundgeschliffene Bergformationen und von Erdbeben gezeichnete Berge.
Im Tal vereinzelt arme Bauern mit ein paar Pferden und Ziegen, selten Rindviecher, erst am Talausgang bei Cafayate große künstlich bewässerte Weingüter.
Nach einer fachlichen Führung auf dem Weingut „Vasija Secreta“ über die Herstellung des Weines in dem Gebiet kosteten wir auch die leckeren Tropfen.
Der Abend klang aus mit Shopping und Abendessen. Wir hören, dass in Oberhausen der erste Schnee fiel. Wir haben eher das Problem, genug Sonnenmilch aufzutragen.

Reisetagebuch 31.10.06

Der Tag heute stand uns (fast) zur freien Verfügung. Um 10 Uhr mussten wir die Zimmer räumen, das Gepäck musste in drei Zimmern vom Hotel verstaut werden. So konnten wir den freien Tag in Buenos Aires ohne Gepäck erkunden. Die Gruppe teilte sich dann in verschiedene Einzelgruppen auf, die zwei größten waren (a) die Kulturgruppe und (b) die Hafengruppe. Ich war in der Hafengruppe. Wir sind 5/6 Blocks gelaufen (1 Block = 126 Meter lang), auf den Weg zum Hafen gibt es zwar viele Banken, aber es war nicht einfach Euro-Bargeld in Pesos zu tauschen. Ich empfehle jeden mit der EC Karte zu reisen und nicht viel Bargeld (Euro oder Pesos) mit sich zu führen. Der Hafen wurde frisch restauriert. Uns kam die Promenade so vor, als ob wir im Centro in Oberhausen wären. Dort war ein (teures) Restaurant neben dem anderen. Wir haben uns dann in ein Coffee Shop (ähnlich wie Starbucks) gesetzt und haben leckeren Kaffee und (teilweise) Kuchen & Creps gegessen. Nach der kleinen Stärkung und der Besichtung der Hafenbecken haben wir uns auf den Weg in Richtung Park gemacht. Vorbei an großen Konzernen wie „Microsoft“, „Sun“ und „Telefonica“ liegt der Park hinter dem Hafen, quasi direkt am Meer. Dies ist ein Nationalpark und wunder, wunderschön. Er ist sehr groß und hat tolle blühende Bäume. Der Park wird von den Einwohnern zu 80% als Sportanlage genutzt, es wurde gejoggt, gewalkt, geradelt uvm. Uns fiel erst nach einiger Zeit auf, dass hier kein Autolärm ist. Es war eine sehr entspannende Ruhe – im Gegensatz zum hektischen Stadtleben. Was uns dafür um so mehr auffiel waren kleine aber fiese Steckmücken. Die haben bei uns dicke Beulen hinterlassen. Kaum aus dem Park raus, gab es keine Natur & Mücken mehr. Wir sind dann mit der U-Bahn bis zum Congres gefahren, einer der ältesten U-Bahnen überhaupt. Das U-Bahnfahren kostet 0,70 Pesos, por Person. Es gibt keine Tages- und/oder Monatstickets. Anschließend gab es noch, wie so oft, eine Pizza.

Gruppe A: die Kulturgruppe....
Einen Tag auf eigene Faust. Es war ein guter Rhythmuswechsel und es machte Spaß, die Stadt selbständig zu erkunden. Angefangen bei dem Bus: welche Nummer, wie werde ich die 8o Cents los (o,2o Euro!!),wo steige ich aus? Die freundlichen Argentinier nahmen unsere Orientierungslosigkeit, mit der wir den Betrieb blockierten, mit Gelassenheit auf. Geplant war ein Muesumsbesuch. “Tuesdays closed“ So what? Wir entdeckten den Stadtteil Recoleta. Recoleta ist das Viertel, in dem die „portenos“ (die Einwohner von Buones Aires) wohnen, die „gut gebettet“ sind. Schöne Häuser, auch hier Hochhäuser in interessanten Formvariationen. Aber es fehlen die Häuser, den man ansieht, dass es kein Geld für ihre Entstandhaltung gibt. Für ganz BA fiel uns eine typische Mischung in der Architektur auf: schöne Häuser, verfallene Häuser, Hochhäuser, niedrige Häuser, eine unglaubliche Vielfalt an Formen. In den Häuserschluchten von Recoleta wirken die Straßen grün, manche Bäume wachsen vier Stockwerke hoch. Die Straßen sind belebt, gut gekleidete Leute flanieren oder eilen an eleganten Geschäften vorbei.
Viele Parks gibt es in Recoleta wie die Architektur auflockern. Das subtropische Klima lässt Bäume in faszinierende Größe und Formen wachsen. In den Park herrscht Leben: dort studieren Leute, treiben Gruppen ihr Sport und für uns besonders amüsant gibt es die „Dogwalkers“: Wohlhabenden lassen ihre Hunde ausführen, Leute, die ein Job suchen führen ganze Hundegruppen aus, bis zu 10 Hunden an einer Hand.
Ein weiterer interessanter Punkt in Recoleta: der Friedhof von San Pilar. Ein Ort, an dem man sich seiner Sterblichkeit durch äußerst prunkvolle Monomentalgräber zu entziehen sucht. Das Grabmonument von Evita Peron ist leicht zu finden: Blumen am Gitter und viele Menschen davor. Der heutiger Tag war eine hochinteressante Entdeckung eines neuen Aspektes der Stadt – im großen Kontrast zu La Mantanza.Treffpunkt im Hotel war 17 Uhr – zur Abfahrt zum Flughafen. Natürlich kam der Bus zu spät. Wir hatten uns schon alle den Plan B ausgemalt, dass wir auf der Strasse schlafen werden, weil wir den Flieger verpassen. Aber, dann kam der Bus und wir waren RuckZuck am Inlandsflughafen. Dort haben wir ca. 1 Stunde am Check In angestanden, endlich alle eingecheckt, ging es in den Sicherheitsbereich. Dann die Nachricht, unser Flieger hat 1 Stunde Verspätung ... alle Hektik um sonst. Die nehmen es nicht so genau mit den Zeiten hier. Dann aber endlich in Salta angekommen, sind wir nur noch glücklich im schönen Hotel „....“ angekommen und schnell eingeschlafen. Es war ein schöner Tag!