Reisetagebuch 16.11.06 - 19.11.06
Zurück aus Iguazu und Patagonien bzw. Feuerland nutzen wir die letzten Tage unserer Reise zur weiteren Erkundung von Buenos Aires. Das geschah in kleinen Gruppen oder individuell, so dass es nicht so einfach ist, alles hier zu berichten. Deshalb hoffe ich, dass der ein oder andere unserer "Family" seine Erlebnisse noch in Form eines Kommentars hier ergänzt.Gemeinsame Unternehmungen der letzten Tage waren zum einen der Kulturabend im "Centro Cultural Raices", wo uns ein Tangolehrerpaar unterstützt durch weitere gute Tangotänzer in die Geheimnisse des Tango einwies. Für viele von uns war einiges doch sehr ungewohnt: Sich dem Tanzpartner doch sehr intim zu nähern, ihn zu fühlen, zu riechen, die geforderte Hingabe der Frau an den Mann ... wie es unsere Tangolehrer verlangten. Aber wenn man sich darauf einlässt, waren Fortschritte im Rythmus "tiki tiki tiki tak - tiki tiki tak " doch schnell zu sehen - und zu spüren! Ein wirklich einmalige Erfahrung. Nach einem guten Essen traditioneller argentinischer Speisen spielte ein hervorragendes Gitarrenduo und zum Abschluß durften wir eine original Tangoband aus Buenos Aires genießen. Die Musiker waren alle ganz hervorragend, besonders aber hat mich die Akkordeonspielerin beeindruckt, die während der Militärdiktatur gezwungen war, nach Europa zu emigrieren und sich in Spanien teils als Strassenmusikerin durchs Leben schlagen mußte. Eine wirklich beeindruckende Frau mit ansteckend guter Laune und viel Lebensmut.
Am Samstag schließlich hieß es Abschied nehmen. Ein letztes Asado in den wunderschönen Räumen eines Vereines, der das Gedenken an Mitglieder Internationaler Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, die entweder aus Argentinien kamen oder nach Ende des Bürgerkriegs nach Argentinien emigrieren mußten, pflegt. Mit großen Wandgemälden und insbesondere persönlichen Tafeln mit Informationen zu jedem einzelnen wird das Andenken an diese mutigen Kämpfer gegen den Faschismus bewahrt. Wirklich sehr beeindruckend und unsere argentinischen Gastgeber staunten doch ein wenig, daß mit dem "Lied der 11. Brigade" einen passenden Kulturbeitrag parat hatten.Letzte Geschenke wurden überreicht. Wir erhielten Poster und Zeitschriften aus Argentinien, unsere Reisebegleiter erhielten persönliche Geschenke wie Fotos unserer Reise oder persönliche Dinge von Reiseteilnehmern als Ausdruck, welch große Verbundenheit zwischen uns in diesen 3 Wochen entstanden war. Alle brachten die Hoffnung zum Ausdruck, daß es irgendwann wieder eine Gelegenheit gibt, sich wiederzusehen, denn das Abschied nehmen fiel manchem doch sichtlich schwer. Und schließlich wurde noch ein Gedicht vorgetragen:
Gedicht für die Abschlussfeier der Argentinienreise November 2006 am 18.11.06
28 aufgeregte und ungeduldige Hühner kamen vor drei Wochen hier an,
vollgepackt mit Wanderstiefeln, Reisebügeleisen und anderem Kram.
„Wo geht’s lang?“, „was machen wir gleich?“, „hat’s nicht noch für Jenes Zeit?“
Erst allmählich lernten – wenigstens die meisten – die argentinische Gelassenheit.
Unsere jungen Begleiter führten uns immer mit Sachverstand, Eifer und Herzlichkeit,
erklärten uns Buenos Aires, Matanza, Esperanza und hatten für jede Frage Zeit.
Verschiedene Sprachen Spanisch, Deutsch, Englisch, Schwäbisch und Sächsisch waren nicht wirklich problemas.
„Estamos todos, sesenta y dos, que tal?, serr gutt, die toten Hosen, und papas fritas »
Die Anden mit ihrer Wucht, Vielfalt, Farbenpracht und Höhe ergriffen uns alle,
in über 4.000 m Bergsteigen erwies sich für manche als Falle.
Auf Indio-Märkten gab’s die schönsten Sachen für klein und groß,
wir konnten nicht widerstehen und wurden einige Zeit und Pesos los.
Asado, lomo, empanadas, ensalada haben wir in vollen Zügen genossen
Und in Cafayate sogar mit edlem „vino de la casa“ begossen.
Manchen musste sich dann aber tagelang im Verzichten üben,
und sich mit Bananen, trockenen Keksen und Tee den Anweisungen von Willi fügen.
Wir sahen Sehenswürdigkeiten: Dschungel, Wasserfälle und Eisblöcke an,
fast waren tausende Pinguins dabei, sie entpuppten sich aber als Kormoran.
Ein Highlight war der Tangoabend mit Riechen, Fühlen und Spüren.
Statt Kichern, Quatschen und Zappeln mussten die Männer die Frauen führen.
Voller Erlebnisse, Eindrücke, neuer Erfahrungen treten wir nun die Heimreise an.
Dank an alle! Zusammenhalt und internationale Solidarität – wir bleiben dran!
Abschließend namen etliche aus unserer "Family" noch an einer Demonstation von 50.000 - 60.000 Teilnehmern aus Anlass des 2. Monatstags des Verschwindens von Julio Lopez teil. Julio - ein 77-jähriger ehemaliger Bauarbeiter - war während der Militärdiktatur verhaftet und gefoltert worden. Er war der entscheidende Zeuge in einem richtungweisenden Fall bezüglich der Vergehen gegen die Menschenrechte und verschwand am Vorabend des 19. September, dem Tag, an dem ein früherer Polizeibeamter verurteilt werden sollte. Aufgrund des öffentlichen Drucks sah sich die Kirchner-Regierung gezwungen, einen für argentinische Verhältnisse ungeheuer große Summe von 200.000 Pesos (ca. 50.000 Euro) für Informationen zu seinem Verbleib ausgesetzt.Mehr Infos dazu gibt es u.a. unter
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1942
http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/51a43250d61caccfc1256aa1003d7d38/f0f6abe193867c53c12571f5004c48ed?OpenDocument
Nachdem wir dann im komfortablen Reisebus den internationalen Flughafen Ezeiza erreicht hatten, checkten wir ein, zahlten Flughafensteuer und flogen pünktlich gegen 22:30 Uhr Ortszeit ab. Am Sonntag abend Ortszeit waren wir dann in Düsseldorf. Schon in Madrid hatten wir uns von einigen unserer Family verabschieden müssen, die andere Flughäfen als Düsseldorf gebucht hatten. In Düsseldorf wurden wir von PEOPLE TO PEOPLE und etlichen Angehörigen mit Sekt empfangen. Letzte Umarmungen und diese eindrucksvolle und für mich wundervolle Reise ging endgültig zu Ende.
Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch mal ausdrücklich bei der ganzen Family bedanken. Es war ein große Freude für mich, mit euch als Reiseleiter unterwegs zu sein. Wir sind wirklich zu einer Familie geworden und haben alle Probleme - ob größer oder kleiner - gemeinsam gemeistert. Für eure Unterstützung dabei ein ganz herzliches Dankeschön!
So, das war der letzte Eintrag. Ich werde in den nächsten Wochen noch versuchen, einige Bilder einzustellen. Seht also ab und zu mal wieder rein, schreibt eure eigenen Kommentare!
Bis zur nächsten Reise!
Uwe


















